Ausbildung FAQ - Allgemeines

 

 

Was jetzt - Schreiner oder Tischler?

 

Es gibt keinen Unterschied zwischen Tischler und Schreiner. Das sind zwei Bezeichnungen, die für ein und denselben Beruf regional unterschiedlich verwendet werden. Im Norden gibt’s eher Tischler, im Süden Schreiner, in Österreich wieder Tischler. Hier in NRW, sozusagen im Übergangsgebiet zwischen Nord und Süd, hat unser Landesverband aus Gründen des einheitlichen Auftritts die Verwendung der Bezeichnung "Tischler" empfohlen.

Es werden aber auch ein paar Bezeichnungen verwendet, wenn sich eine Werkstatt innerhalb des großen Berufsbilds der Tischlerei/Schreinerei spezialisiert hat - ohne dass dies dann eigene Berufe wären:

"Möbeltischler/schreiner" haben ihren Schwerpunkt mehr in der Herstellung von Möbeln,
"Bautischler/schreiner" haben es mehr mit Fenstern, Türen, Treppen, Einbauten zu tun.
"Kunsttischler" nennen sich so, um zu zeigen, dass ihre Arbeit eine Kunst sei.
"Sargtischler" bauen heute nur noch selten selber Särge, die werden importiert. Ihr Schwerpunkt liegt vielmehr in der Dienstleistung (vom Waschen und Vorbereiten der Verstorbenen bis zum Papierkrieg), die sie für die meist im Trauerfall überforderten Angehörigen übernehmen. Folgerichtig nennen sich diese Tischler-Kollegen heute "Bestatter".
"Möbelrestaurator" ist eigentlich ein höherer Ausbildungsgang, aufbauend zum Beispiel auf einer Tischler-Lehre plus Studium. Trotzdem gibt es auch Meisterbetriebe, die sich auf alte Möbel spezialisiert haben, ohne gleich den formellen Abschluss des "Restaurators" zu haben.

Nicht zu den Schreinern/Tischlern gehören heute:

Parkettleger (Holzfußböden)
Rolladenbauer (schließt auch Markisen mit ein)
Zimmerer (errichten eher tragende Konstruktionen wie Dachstühle, Holzhäuser)
Modelltischler (bauen nicht Modellautos, sondern Guss-Modelle für die Industrie) 
Drechsler (stellen Rundlinge her wie Schüsseln, Geländerstäbe, Kugeln)

 

 

Ist Schreiner/Tischler ein kreativer Beruf?

 

Nein. Nicht in dem Sinne, dass hier irgendwer frei gestalten darf. Selbst der Meister hat nur ganz enge Gestaltungsspielräume, er muss sehr genau die Wünsche seiner Kundschaft erspüren und ausführen. Sobald der Auftrag erteilt ist, erwarten Kunde und Meister von den Gesellen und Lehrlingen eine präzise Ausführung der detailliert vorgeschriebenen Arbeiten. Zuhause darf jeder gestalterisch arbeiten, soviel er will, im Betrieb ist akurate und effektive Fertigung gefragt: Wir sind ein produzierendes Gewerk. Wer Kunst-LK hatte und glaubt, Schreiner sei nun der Beruf, sich selbst zu verwirklichen, hat was falsch verstanden.

Andererseits: Wer sein Handwerk gelernt hat, kann natürlich ganz anders seine Ideen für sich umsetzen als der kreative Dilettant. Und das Gefühl, am Ende eines Arbeitstages aus einem Haufen Bretter einen Tisch, einen Schrank, eine Verkleidung erstellt zu haben, die jetzt in der Welt stehen und stehen bleiben werden - das ist schon klasse.

Bald lernen Handwerker auch eine andere Art von Kreativität schätzen und hochachten: Ein guter Handwerker zeichnet sich dadurch aus, dass er auch in unvorhergesehenen Situationen, unter widrigsten Umständen, Lösungen findet, um die Arbeit perfekt zu erledigen. Für eine Kleinserie kniffliger Anleimer eine absolut simple und doch extrem effektive Spannvorrichtung zu ersinnen, aus einer zerklüfteten Nussbaumbohle doch noch durch überlegtes Auftrennen genug Holz für den Auftrag zu schneiden, obwohl es "eigentlich" nicht geht, nach einem solchen Tag geht man befriedigt nach Hause!

 

 

Wie arbeiten heute Schreiner/Tischler?

 

Sicher nicht mehr mit Handhobel und Gestellsäge. Diese Geräte hängen zwar noch in fast jeder Werkstatt rum, und sie werden gerne vorgezeigt, Neulinge werden dran unterwiesen und eine Zeitlang damit beschäftigt gehalten - aber in der Praxis bedeutet Handarbeit heute Arbeit mit Handmaschinen.

In der Werkstatt gibt es den Bereich der Tischmaschinen, wo Platten und Bohlen mit Kreissäge, Hobel-, Fräs- und Schleifmaschinen vorbereitet werden. Im Bankbereich, also auf den Hobelbänken, erfolgt die Detailbearbeitung mit Hilfe von Handmaschinen (Lamello- oder Dübelmaschinen, Stichsäge, Bohrmaschine, Akkuschrauber). Abschließend kommt meist die Oberflächenbehandlung, also Spritzlackieren mit Zwischenschliff (bei uns Ölen und Wachsen). 

Auch auf Montage, beim Kunden, kommen fast ausschließlich Handmaschinen zum Einsatz, mit deren Hilfe zugeschnitten, angepasst und verdübelt wird.

Auch bei uns wird der Computer immer selbstverständlicher. Schon seit vielen Jahren gehört das CNC-Programmieren in der Berufsschule zur Ausbildung (CNC bedeutet Programmierung von automatisch arbeitenden Maschinen). Zwar hat noch nicht jeder Betrieb solches Gerät in der Werkstatt, aber sie kommen immer mehr. Das Zeichnen erfolgt in der Schule zwar noch größtenteils von Hand, gar mit Tusche - in der Praxis aber fast ausschließlich am Rechner mit CAD-Programmen.

So geht auch bei uns der Trend zur Automatisierung. Zeitaufwändige Arbeiten erledigen die Automaten, welche von Gesellen und Meistern programmiert werden. Nie werden wir ganz auf Handarbeit verzichten können, aber nie wieder werden solche Mengen Gesellen benötigt wie noch vor zehn oder zwanzig Jahren.

Konkret: 1980 waren in NRW 80.000 Tischler beschäftigt, 1990 waren es 66.000, 2000 waren es 69.000, und 2010 nur noch 50.000 (Quelle: FV Tischler NRW, Pressemitteilungen).

 

 

Wie lange dauert eine Ausbildung?

 

Die Ausbildung dauert im Regelfall 3 Jahre, sie orientiert sich mit ihrem Beginn und Ende an den Schuljahren: Beginn ist üblicherweise nach den Sommerferien, Ende, also Gesellenprüfungen, vor den Sommerferien.

Ein Beginn der Ausbildung zu einem anderen Zeitpunkt als am Ende der Sommerferien ist zwar möglich, aber ungünstig: Es wäre ein Einstieg in eine bereits laufende Berufsschulklasse nötig, entsprechend viel Stoff nachzuarbeiten. 


 

Kann ich die Aubildung verkürzen?

 

Eine Verkürzung der Lehrzeit ist unter gewissen Umständen möglich: Ältere Lehrlinge, Lehrlinge mit bereits einer anderen abgeschlossenen Ausbildung oder Lehrlinge mit Abi können einen Antrag auf ausnahmsweise Verkürzung der Lehrzeit um ein halbes oder ein ganzes Jahr stellen. Dieser muss vom Ausbildungsbetrieb und der Schule befürwortet werden. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Dummerweise sind Meister und Lehrer selten der Meinung, dass eine Verkürzung der Lehre sinnvoll ist.

Aus meiner Sicht als Meister sprechen prinzipiell zwei Argumente dagegen: Erstens ist die Zeit wirklich knapp, um in drei Jahren nicht nur Wissen, sondern auch professionelle Routine zu erlangen. Und dann gibt es da noch das schnöde Geld: Ein Lehrling kostet. Im ersten Jahr zahl ich drauf. Gegen Ende des zweiten Jahr kann ein guter Lehrling allmählich dahin kommen, dass er sein Geld auch verdient. Wenn er nicht allzuviel ausfällt, wird er im dritten Jahr endlich anfangen, nicht nur seine Lohnkosten einzuspielen, sondern darüber hinaus auch für den Betrieb etwas zu erwirtschaften - also das vorher Investierte wieder zu bringen, resp. den nächsten Lehrling mitzufinanzieren. Warum sollte ich ausgerechnet auf das dritte Jahr verzichten wollen? Ich gebe nur in sehr seltenen Fällen mein Einverständnis dazu.

 

 

 

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© Stefan Hampel

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