Frauen im Tischlerhanwerk

 

 

 

Können auch Frauen Tischlerin/Schreinerin werden?

 

Natürlich können auch Frauen Schreinerin/Tischlerin werden. Wenn weiter unten auch steht, dass ein gewisses Maß an körperlicher Belastbarkeit vonnöten ist, so ist das doch in einem Rahmen, den eine gesunde Frau auch leisten kann: Bei mir haben bereits vierzehn Frauen ihre Ausbildung gemacht. Keine davon war eine Bärin. Allerdings: Wer den Wekzeugkoffer nur keuchend in den ersten Stock geschleppt kriegt, hat ein Problem, ob Frau oder Mann!

Frauen im Tischlerhandwerk brauchen aber, ehrlich gesagt, ein dickes Fell. Der Frauenanteil im Tischlerhandwerk ist nach wie vor niedrig, sehr niedrig sogar. Also sind Frauen auf Baustelle, in fremden Werkstätten, beim Einkauf im Fachhandel und beim Kunden Exoten. Und nach wie vor findet sich in einer Gruppe von mehr als zwei männlichen Handwerkern garantiert einer, der einen mehr oder weniger dummen Spruch loslässt. Immer.

Die alte Ausrede alter Meister, sie könnten keine Frau einstellen, weil sie dann eine zweite Toilette bauen müssten, stimmt so schon lang nicht: Diese Regelung mit getrennten Toiletten gab es vor vielen Jahrzehnten mal. Heute heißt es schlicht: "Sanitärräume müssen getrennt benutzbar sein" - Schloss an der Tür? Ok!

 

 

Wie hoch ist der Frauenanteil?

 

Der Frauenanteil in der Tischlerausbildung liegt in NRW bei 8% (acht!), Tendenz seit Jahrzehnten stagnierend (Quelle: FV Tischler NRW, Pressemitteilungen). Weitere belegbare Zahlen sind mir nicht bekannt. Sicherlich ist der Anteil der Gesellinnen noch weit niedriger, denn manch eine geht danach in eine weiterführende Ausbildung (Lehramt, Architektin, Meisterin), und manch eine hört auf.

Allgemein lässt sich sagen, dass die Bereitschaft, Frauen auszubilden, auf dem Land gegen Null geht, in manchen Städten schon besser wird und in Großstädten durchaus nennenswert ist. In Köln soll die Quote bei den Auszubildenden bereits über einem Drittel liegen.

Die wenigen Frauen, die es im Tischlerhandwerk gibt, haben gelernt, sich zu vernetzen. Es gibt eine eigene Seite tischlerinnen.de, und ein jährliches bundesweites Tischlerinnentreffen. 

 

 

Was sollte ich als Frau besonders beachten?

 

Es ist fürchterlich kräftezehrend, als Frau in einem männerdominierten Beruf auf Lehrstellensuche zu gehen. Selbst die Jungs kassieren eine Absage nach der anderen. Also macht es Sinn, den Einsatz gezielt zu steuern. 

Finde raus, welche Betriebe überhaupt ausbilden, und welche davon bereit sind, Frauen einzustellen:
Meisterbetriebe gibt es wie Sand am Meer, wirklich. Doch unter den mehreren hundert im Bezirk Bonn + Rhein-Sieg-Kreis bilden praktisch nur Innungsbetriebe aus. In der Tischler-Innung Bonn/Rhein-Sieg wiederum mögen es immer noch etwa 150 Meisterbetriebe sein. Davon stellen in diesem Jahr jedoch gerade mal ein Vertel überhaupt einen Lehrling ein, und davon eben nur unter 10% eine Frau.

Es hat also keinen Zweck, sich die Gelben Seiten vorzuknöpfen und alles, was Tischler oder Schreiner heißt, anzuschreiben. Effektiver ist es, gezielt die Betriebe rauszusuchen, die überhaupt bereit sind - die anderen kriegst Du eh nicht bekehrt. Oder wenn, dann nur mit noch mehr Kraft.

Wie findest Du raus, wer Frauen einstellt? 
Frag bei der Innungsgeschäftsstelle, vielleicht ist die ja bereit, eine Liste der Betriebe rauszugeben, die Frauen ausbilden.
Guck im Internet - so wie ich es bekannt mache, dass ich auch Frauen einstelle, machen es die meisten.
Warum nicht einfach mal an einem Vormittag in der großen Pause in die Berufsschule gehen und die paar Mädels fragen, die es schon geschafft haben? An jedem Wochentag (außer Mittwoch in der zweiten Jahreshälfte) hat einer der Tischler-Jahrgänge in Hennef Unterricht. 

Der Öffentliche Dienst darf bei seinen Stellenbesetzungen, insbesondere Ausbildungsstellen, Frauen nicht benachteiligen. Daher werden Lehrstellen in solchen Einrichtungen abwechselnd mit Männern und Frauen besetzt. Nicht viele davon bilden auch Schreiner/Tischler aus, aber ein paar: Große Museen wie die Bundeskunsthalle, dann die Wekstätten der großen Bühnen (Oper- und Theaterwerkstatt der Stadt Bonn), große Krankenhäuser, etwa die des Landschaftsverband Rheinland (LVR).

 

 

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© Stefan Hampel

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